MMT & Post-Keynesianismus
System-Verbesserung (RIDE statt RICH)
Reparierend · Institutionell · Demokratisch · Evolutionär
💡 Muss das Geldsystem vollständig ersetzt werden, um Wirtschaft und Gesellschaft
gerechter zu gestalten? Nicht zwingend.
Modern Monetary Theory (MMT) und Post-Keynesianismus zeigen einen anderen Weg:
das bestehende FIAT-System durch bessere Regeln, klügere Fiskalpolitik
und demokratischere Geldpolitik von innen heraus verbessern –
mit bekannten Begriffen, bewährten Institutionen und ohne Systembruch.
Diese Seite ist ein bewusster Kontrast zu
HMW / RICH,
dem auf cibwal.com vorgestellten Systemwechsel-Konzept.
Sie gibt der MMT- und Post-Keynesian-Perspektive Raum –
mit ihren Stärken, ihren Grenzen
und einem ehrlichen Vergleich zu den 15 RICH-Zukunftsperspektiven.
🎓 Die zentralen Denker
🇩🇪
Prof. Dr. Dirk Ehnts – einer der führenden MMT-Ökonomen
im deutschsprachigen Raum, wissenschaftlicher Referent im Europäischen Parlament.
Sein Buch „Geld und Kredit: Eine €uropäische Perspektive"
(Metropolis-Verlag, 4. Aufl. 2020, ISBN 978-3-7316-1433-3) erklärt,
wie Geld tatsächlich entsteht und wie staatliche Geldschöpfung funktioniert.
dirk-ehnts.de
·
Buch beim Metropolis-Verlag
📖
Aaron Sahr – Sozialforscher am Hamburger Institut für Sozialforschung,
Autor von „Keystroke-Kapitalismus" (2017).
Sahr beschreibt Geld nicht als technischen Mechanismus, sondern als
gesellschaftliches Schuld- und Vertrauensverhältnis,
das historisch und politisch geformt wird – und daher auch demokratisch
umgestaltet werden kann.
📊
Prof. Dr. Heiner Flassbeck – ehemaliger Staatssekretär
im Bundesfinanzministerium und UNCTAD-Ökonom.
Er betont die Bedeutung von
gesamtwirtschaftlicher Nachfrage, Lohnpolitik und
Investitionen als Treiber wirtschaftlicher Entwicklung –
gegenüber dem neoklassischen Angebots-Dogma der „Agenda 2010"-Ära.
flassbeck-economics.de
🏛
IMK – Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
der Hans-Böckler-Stiftung (Düsseldorf) und sein jährliches
FMM-Forum für Makroökonomie und Makroökonomische Politik –
die wichtigste post-keynesianische Forschungs- und Diskursinstitution
in Deutschland, die internationale Ökonomen jenseits des neoklassischen
Mainstreams versammelt.
imk-boeckler.de
🗝
Keynes Gesellschaft e. V. – deutschsprachiger Verein
für eine plurale, nachfrageorientierte Wirtschaftswissenschaft
nach Keynes'schen Grundsätzen. Sie fördert Debatte zwischen
akademischer Forschung, wirtschaftspolitischer Praxis und Öffentlichkeit.
keynes-gesellschaft.de
🧠 Das Kernargument
Geld ist keine knappe Ressource.
Ein souveräner Staat, der in seiner eigenen Währung schuldet,
kann nicht gegen seinen Willen zahlungsunfähig werden.
Die eigentliche Grenze staatlichen Handelns sind nicht Euros –
sondern reale Ressourcen: Arbeitskräfte, Rohstoffe, Energie, Kapazitäten.
💰
Geld entsteht nicht als Spareinlage, sondern als Kredit:
Über 90 % des umlaufenden Geldes werden von privaten Geschäftsbanken
durch Kreditvergabe erzeugt – nicht von der Zentralbank „gedruckt".
Der Staat kann seine Ausgaben über die Zentralbank finanzieren,
ohne vorher Steuern einnehmen zu müssen
(MMT: „Der Staat gibt zuerst aus – und zieht danach über Steuern ein").
🔁
Steuern dienen nicht primär der Staatsfinanzierung:
Sie steuern Inflation (Kaufkraftabschöpfung), verteilen
Einkommen um, lenken Verhalten und erzeugen eine Grundnachfrage
nach der Staatswährung (chartalistische Funktion).
Dieser Perspektivwechsel ist für die gesamte Fiskalpolitik fundamental.
📈
Nachfrage ist der Schlüssel (Flassbeck):
Produktion entsteht nicht automatisch durch Angebot.
Unternehmen investieren nur, wenn sie Absatz erwarten.
Löhne, Staatsausgaben und Investitionen schaffen die Nachfrage,
die Wachstum und Beschäftigung erst möglich macht.
Lohnzurückhaltung – wie in Deutschland seit den 2000ern –
schwächt die Binnennachfrage strukturell und exportiert
das eigene Deflationsproblem ins Ausland.
🤝
Geld als gesellschaftliches Vertrauensverhältnis (Sahr):
Der Wert des Euro entsteht nicht durch Golddeckung oder inneren Wert,
sondern durch Rechtsordnung, Steuerpflicht, gesellschaftliche Akzeptanz
und Vertrauen. Wer das versteht, kann Geldpolitik als
demokratisch gestaltbares Instrument begreifen –
nicht als Naturgesetz.
✅ Was ein reformiertes FIAT-System leisten kann
Innerhalb des bestehenden institutionellen Rahmens –
mit EZB, Bundesbank, Bundestag und demokratischen Prozessen –
lassen sich durch MMT-informierte Politik erhebliche Verbesserungen erzielen.
Hier liegen die genuinen Stärken dieses Ansatzes.
🏗 Vollbeschäftigung als Staatsziel
Ein staatliches Jobgarantie-Programm (MMT-Kernvorschlag) kann Arbeitslosigkeit
strukturell gegen Null senken – als automatischer Stabilisator,
der in Krisen Kaufkraft erhält und in Boomphasen dämpft.
📐 Ende der Austeritäts-Dogmatik
„Wir können uns das nicht leisten" ist in einem souveränen Währungssystem
eine politische Entscheidung, keine mathematische Notwendigkeit.
Schulen, Pflege, Schienen, Energienetze können ohne
Kreditmarkt-Abhängigkeit finanziert werden.
💪 Stärkere Lohn- und Tarifpolitik
Flassbeck: Löhne müssen mit Produktivität und Inflation wachsen.
Ein klarer politischer Rahmen – national und europäisch koordiniert –
verhindert Lohndumping und stärkt die Binnennachfrage
nachhaltig.
🌿 Gezielte Zukunftsinvestitionen
Klimawende, Digitalisierung, Bildung: Der Staat kann diese
Transformationen direkt finanzieren, ohne auf Schuldenbremsen
oder Anleihemärkte warten zu müssen –
solange reale Kapazitäten vorhanden sind.
🏛 Demokratisierung der Geldpolitik
Wenn Geld als öffentliches Gut begriffen wird (Sahr),
entstehen legitime Forderungen nach mehr parlamentarischer Kontrolle
über Zentralbankentscheidungen und nach einer am
Gemeinwohl orientierten Kreditvergabe.
📉 Abbau der Staatsschulden-Hysterie
Schulden des Staates in eigener Währung sind Guthaben des
privaten Sektors. Die Angst vor Staatsschulden als Belastung
für „unsere Kinder" ist ein kategorialer Denkfehler –
und politisch dringend korrekturbedürftig.
⚖ Bessere Steuerpolitik
Steuern auf Vermögen, Erbschaften und Finanztransaktionen
dienen primär der Umverteilung und Inflationskontrolle –
nicht der Staatsfinanzierung.
Das eröffnet völlig neue politische Spielräume.
🔗 Sofortige Umsetzbarkeit
MMT und Post-Keynesianismus brauchen keine neue Währung,
keine neuen Institutionen, keine internationale Koordination
als Voraussetzung. Sie setzen auf das Vorhandene –
und machen es besser. Noch heute.
📊 Vergleich mit den 15 RICH-Zukunftsperspektiven
Die folgende Übersicht zeigt, welche der auf der
HMW/RICH-Seite
benannten 15 Zukunftsperspektiven durch ein verbessertes FIAT-System
(MMT + Post-Keynesianismus) erreichbar sind – und welche nicht.
🟢 weitgehend erreichbar · 🟡 teilweise / mit Mühe · 🔴 systemisch nicht gelöst
🟢 weitgehend erreichbar · 🟡 teilweise / mit Mühe · 🔴 systemisch nicht gelöst
🏭 Leistung lohnt sich wieder
🟡 Teilweise. Bessere Lohnpolitik und Vollbeschäftigung
helfen deutlich – aber solange leistungsloses Kapitaleinkommen
durch das System strukturell begünstigt bleibt,
ist die Lösung unvollständig. Ebenso ist fraglich, wie sich staatliche
Beschäftigungs-Garantie auf die Leistung auswirkt.
📉 Niedrigere Preise
🟡 Begrenzt. Zinssenkungen können Preise dämpfen –
aber Zinseszins in Wertschöpfungsketten bleibt strukturell
vorhanden. RICH eliminiert diesen Mechanismus
tiefgreifender.
💶 Mehr Kaufkraft & Wohlstand
🟢 Ja, deutlich. Vollbeschäftigung, höhere Löhne,
bessere Sozialleistungen durch staatliche Ausgaben –
das ist ein klarer und direkter MMT-Stärkebereich.
📦 Dezentralisierung
🟡 Indirekt möglich. Regionale Investitionsprogramme
können lokale Wirtschaftsräume stärken – aber kein struktureller
Währungsmechanismus treibt dezentrale Produktion
systemisch voran.
🚀 Weniger Bürokratie & Steuer-Tricks
🟡 Teilweise. Vereinfachte Steuerstrukturen
sind in einem MMT-Rahmen möglich – aber das Steuersystem
bleibt komplex, solange es fälschlicherweise als
primäres Finanzierungsmittel des Staates verstanden wird.
⚖️ Freier & fairer Wettbewerb
🟡 Bedingt. Besserer Kapitalzugang durch staatliche
Investitionsförderung ist möglich. Strukturelle Marktverzerrungen
durch Kapitalkonzentration bleiben ohne RICH-ähnliche
Mechanismen bestehen.
👨👩👧👦 Soziale Sicherheit
🟢 Stark erreichbar. Vollbeschäftigung, Jobgarantie,
soziale Infrastruktur durch staatliche Ausgaben –
hier liegt eine genuine Stärke von MMT und
Post-Keynesianismus.
🌍 Faire Außenwirtschaft
🟡 Teilweise. Flassbeck betont die Notwendigkeit
europäisch abgestimmter Lohn- und Währungspolitik –
aber strukturelle Währungsarbitrage bleibt ohne tiefere
Reformen möglich.
🎓 Kultureller Aufbruch
🟢 Ja. Öffentliche Investitionen in Bildung,
Forschung, Kunst und Kultur sind sofort möglich –
ohne Schuldenbremsen-Logik.
Das ist ein direkter und unmittelbarer MMT-Gewinn.
🗳️ Echte Demokratie
🟡 Möglich, aber begrenzt. Mehr demokratische Kontrolle
über Geldpolitik ist ein MMT-Ziel – aber das Geld selbst
bleibt im Wesentlichen im Besitz privater Banken.
Vollständige monetäre Demokratie erfordert mehr.
⚖️ Systemisches Gemeinwohl
🟡 Teilweise. Staatliche Ausgaben können am
Gemeinwohl ausgerichtet werden – aber private Geldschöpfung
durch Banken folgt weiterhin Renditeprinzipien,
nicht Gemeinwohlkriterien.
🤝 Solidarischer Geist
🟢 Förderbar. Ein Rahmen, der Vollbeschäftigung
und soziale Sicherheit garantiert, stärkt gesellschaftlichen
Zusammenhalt und reduziert Abstiegsangst –
eine wesentliche Grundlage für kollektive Solidarität.
🌱 Ende des Wachstumszwangs
🔴 Nicht gelöst. Solange private Kreditgeldschöpfung
mit Zinspflicht das System dominiert, bleibt der strukturelle
Wachstumszwang in der Privatwirtschaft erhalten.
MMT adressiert dies nicht grundlegend.
🏗️ Schuldenfreies Geld
🔴 Nicht erreichbar. Das ist ein fundamentaler Unterschied:
Im FIAT-System entsteht Geld als Schuld mit Zins –
in RICH über die schuldenfreie Monetative.
MMT verbessert den Umgang mit Schulden,
ändert aber die Grundkonstruktion nicht.
🏠 Stabile Vermögenspreise
🔴 Nicht gelöst. Dies ist die größte Schwäche
eines verbesserten FIAT-Systems: Ohne Umlaufgebühr (Demurrage)
und ohne strukturelle Bremse für Kapitalakkumulation
in Assetmärkten bleibt die Vermögenspreisinflation
und die Reich-Arm-Schere strukturell bestehen –
ungeachtet wie gut die Fiskalpolitik ist.
❤️🩹 Heilungs-Chancen der 15 Wunden des Turbo-Kapitalismus
Entsprechend Folie 2 der Präsentation: Welche systemischen Wunden des Turbo-Kapitalismus
löst MMT/Post-Keynesianismus – und wie vollständig?
🟢 vollständig adressiert (4) · strukturell gelöst
🟡 teilweise adressiert (9) · Verbesserung durch geänderte Anreize im System
🔴 strukturell kaum adressiert (2) · Architektur überlässt den Menschen das korrekte Handeln
🟢 vollständig adressiert (4) · strukturell gelöst
🟡 teilweise adressiert (9) · Verbesserung durch geänderte Anreize im System
🔴 strukturell kaum adressiert (2) · Architektur überlässt den Menschen das korrekte Handeln
1. 🟡 Strukturelle Vermögensungleichheit
MMT ermöglicht Vermögens-, Erbschafts- und Finanztransaktionssteuern sowie Vollbeschäftigung. Dadurch kann Ungleichheit politisch reduziert werden. Die eigentlichen Vermögensakkumulationsmechanismen (Kapitalrenditen, Asset-Inflation, Zins- und Eigentumsstrukturen) bleiben jedoch bestehen.
2. 🟡 Leistungsloses Einkommen
Kapitalerträge können stärker besteuert werden. MMT beseitigt jedoch weder Zinsen noch leistungslose Boden- und Vermögensrenditen. Die Einkommensart bleibt grundsätzlich bestehen.
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3. 🟢 Marktverzerrungen
Post-Keynesianer kritisieren Monopole, Finanzmarktmacht und Lobbyeinflüsse. Durch Regulierung, Kartellpolitik und öffentliche Investitionen können viele Marktverzerrungen reduziert werden.
4. 🔴 Privatisierte Geldschöpfung
Die private Kreditgeldschöpfung der Banken bleibt grundsätzlich erhalten. MMT erklärt dieses System anders als die Mainstreamökonomie, ersetzt es aber nicht
5. 🟡 Schuldenabhängigkeit
Die staatliche Schuldenabhängigkeit wird deutlich relativiert, da der Staat seine Ausgaben nicht wie ein Privathaushalt finanzieren muss. Die private Verschuldungsdynamik bleibt jedoch bestehen.
6. 🔴 Vermögenspreisinflation
MMT besitzt keine systemische Bremse gegen Immobilien-, Aktien- und Bodenpreisblasen. Zusätzliche Regulierung wäre möglich, gehört aber nicht zum Kern des Modells.
7. 🟢 Demokratisches Defizit
MMT stärkt die Rolle demokratisch legitimierter Fiskalpolitik gegenüber technokratischen Schuldenbremsen und Sparzwängen. Das erhöht die politische Gestaltungsfähigkeit gewählter Parlamente deutlich.
8. 🟡 Intransparenz & Machtkonzentration
MMT macht die tatsächlichen Geldschöpfungsprozesse verständlicher und transparenter. Die Konzentration wirtschaftlicher Macht bei Großbanken und Großkonzernen wird jedoch nicht automatisch beseitigt.
9. 🟢 Ausbeuterische Arbeit
Die MMT-Jobgarantie gilt als eines der stärksten Instrumente des Ansatzes. Wer arbeiten möchte, erhält eine Beschäftigungsmöglichkeit mit gesellschaftlichem Nutzen und Mindeststandards.
10. 🟢 Ungleiche Chancen
Große öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und soziale Sicherung können Chancengleichheit deutlich verbessern.
11. 🟡 Verlust von Zeitsouveränität
Vollbeschäftigung und soziale Absicherung reduzieren Existenzängste. Das System enthält jedoch keine strukturelle Arbeitszeitverkürzung oder Entkopplung von Einkommen und Erwerbsarbeit.
12. 🟡 Konsumismus & geplante Obsoleszenz
Der Ansatz reduziert Krisendruck und Existenzängste, enthält jedoch keine direkte Lösung gegen Werbung, Wegwerfprodukte oder konsumgetriebene Statuskonkurrenz.
13. 🟡 Ökologische Zerstörung
MMT kann ökologische Transformationen finanzieren (Klimaschutz, Energiewende, Infrastruktur). Allerdings enthält das Modell keine automatische ökologische Begrenzungslogik oder Ressourcenobergrenze.
14. 🟡 Unfaire Globalisierung
Insbesondere Flassbeck adressiert Handelsungleichgewichte, Lohndumping und Exportüberschüsse sehr stark. Allerdings erfolgt die Korrektur politisch und nicht durch automatische Systemmechanismen.
15. 🟡 Soziale Spaltung
Vollbeschäftigung, soziale Sicherheit und starke öffentliche Leistungen reduzieren gesellschaftliche Spannungen erheblich. Die strukturellen Vermögenskonzentrationen bleiben jedoch teilweise bestehen.
❌ Was ein reformiertes FIAT-System nicht löst
Hier liegt die entscheidende Grenze: MMT und Post-Keynesianismus sind
nachfrageseitige Reformansätze
innerhalb des bestehenden Zinssystems.
Die Konstruktionsfehler des Geldes selbst –
Schuldengeld, Zinseszins, Kapitalakkumulation –
werden nicht grundlegend adressiert.
🏠
Vermögenspreisinflation bleibt ungelöst:
Solange Geld als Wertaufbewahrungsmittel gehortet und in Assetmärkte
(Immobilien, Aktien, Rohstoffe) investiert werden kann,
steigen Vermögenspreise strukturell schneller als Löhne
und Güterpreise. MMT bietet keine systemische Bremse
gegen den Matthäus-Effekt.
📊
Reich-Arm-Schere bleibt strukturell:
Ohne Umlaufgebühr (Demurrage) auf Großvermögen und ohne
strukturelle Hemmung von Kapitalakkumulation kann
MMT-finanzierter Wohlstand langfristig immer wieder
in Ungleichheit zurückfallen. Steuern können gegensteuern –
aber den Mechanismus systemisch lösen sie nicht.
♾
Wachstumszwang bleibt im Kern:
Zins und Zinseszins im privaten Banksektor erzwingen systemisch
kontinuierliches BIP-Wachstum. MMT kann staatliche Investitionen
verbessern – aber den privatwirtschaftlichen Wachstumsdruck
durch Zinspflicht adressiert es nicht strukturell.
🏦
Private Geldschöpfung bleibt unkontrolliert:
Über 90 % des Geldes entstehen weiterhin durch private Banken –
orientiert an Renditeerwartungen, nicht am Gemeinwohl.
RICH schafft durch die Monetative eine demokratische Alternative;
MMT belässt diese Macht im Wesentlichen bei den Banken.
💳
Kein schuldenfreies Geld:
Jeder FIAT-Euro entsteht weiterhin als Schuld mit Zinspflicht.
Das MMT-Konzept verbessert den staatlichen Umgang mit dieser Realität –
ändert aber die Grundkonstruktion nicht. Der Unterschied zur
schuldenfreien Monetative in RICH bleibt fundamental.
🔬 Flassbeck und HMW/ RICH: Diagnose und Trennlinie
Heiner Flassbeck und die Humane Marktwirtschaft (HMW/RICH) teilen überraschend viele
Diagnosen – unterscheiden sich aber grundlegend bei
Ursachen und Lösungen.
🩺
Flassbecks Diagnose:
Er sieht die Hauptprobleme in einer falschen Makropolitik:
zu schwache Nachfrage, Lohndumping,
Leistungsbilanzungleichgewichte,
Finanzmarktdominanz und die Konstruktionsfehler der Eurozone.
Besonders kritisiert er, dass Länder wie Deutschland ihre
Wettbewerbsfähigkeit durch gedrückte Löhne steigern und damit
die Ungleichgewichte innerhalb Europas strukturell verschärfen.
🏦
Flassbecks Ausgangspunkt:
Er akzeptiert das heutige FIAT-Geldsystem einschließlich der
privaten Geldschöpfung durch Geschäftsbanken.
Das Problem entsteht aus seiner Sicht nicht dadurch,
dass Banken Geld schöpfen, sondern dadurch, dass Politik und
Regulierung die Wirtschaft falsch steuern.
📋
Flassbecks politische Forderungen:
koordinierte europäische Lohnpolitik ·
stärkere öffentliche Investitionen ·
aktive Fiskalpolitik statt Sparpolitik ·
strengere Regulierung der Finanzmärkte ·
Begrenzung spekulativer Kapitalströme ·
Korrektur von Leistungsbilanzungleichgewichten
durch bessere europäische Koordination.
🔩
HMW/RICH setzt tiefer an:
Sie betrachtet nicht nur die Wirtschaftspolitik,
sondern die Struktur des Geld- und Wirtschaftssystems
selbst als Ursache vieler Probleme.
Themen wie Vermögenspreisinflation, Geld als Ware,
systemische Vermögenskonzentration, leistungslose Einkommen
und dauerhafte Außenhandelsungleichgewichte werden nicht
primär als Regulierungsprobleme verstanden –
sondern als Folgen der bestehenden Systemarchitektur selbst.
🌍
Außenwirtschaft als Beispiel:
Während Flassbeck außenwirtschaftliche Ungleichgewichte
politisch korrigieren möchte (koordinierte Lohnpolitik,
europäische Abstimmung), will HMW/RICH sie systemisch ausgleichen –
über Währungsparitäten, realwirtschaftliche
Ausgleichsmechanismen und gegebenenfalls Ausgleichszölle.
Die eigentliche Trennlinie:
Flassbeck: „Das System funktioniert grundsätzlich – wir betreiben nur die falsche Politik."
HMW/RICH: „Die Politik macht Fehler, aber viele dieser Fehler entstehen erst durch die Struktur des Systems selbst."
Genau dort verläuft die eigentliche Trennlinie zwischen Post-Keynesianismus / MMT und den meisten tiefgreifenden Geld- und Wirtschaftsreformansätzen.
Flassbeck: „Das System funktioniert grundsätzlich – wir betreiben nur die falsche Politik."
HMW/RICH: „Die Politik macht Fehler, aber viele dieser Fehler entstehen erst durch die Struktur des Systems selbst."
Genau dort verläuft die eigentliche Trennlinie zwischen Post-Keynesianismus / MMT und den meisten tiefgreifenden Geld- und Wirtschaftsreformansätzen.
💡 Warum dieser Weg dennoch wertvoll ist
MMT und Post-Keynesianismus sind kein Kompromiss aus Bequemlichkeit –
sie sind ein intellektuell ernstzunehmender Pfad,
der in realen politischen Systemen mit realen Institutionen funktioniert.
🚪
Der niederschwellige Einstieg:
Keine Verfassungsänderung, kein Aufbau neuer Institutionen,
keine internationale Koordination als Vorbedingung.
Ein aufgeklärtes Parlament, eine engagierte Zentralbank
und eine veränderte Fiskalkultur reichen –
theoretisch – für erhebliche Verbesserungen aus.
🗣
Kommunizierbar und anschlussfähig:
„Der Staat ist kein Haushalt", „Schulden des Staates sind Guthaben
des Privatsektors", „Vollbeschäftigung ist finanzierbar" –
das sind Aussagen, die in parlamentarischen Debatten, Medien
und Klassenräumen verständlich sind.
Das hat kommunikativen und politischen Wert.
🛤
Als intellektuelle Brücke zu tieferen Reformen:
Wer einmal verstanden hat, dass Geld keine knappe Ressource ist,
ist offen für den nächsten Schritt: Warum nicht auch die
Konstruktion des Geldes selbst verändern?
MMT kann ein Sprungbrett für tiefere Reformen wie RICH sein.
🔀 Zwei Wege, ein Ziel – eine ehrliche Einordnung
MMT und Post-Keynesianismus lösen das Problem von innen: Sie machen das bestehende
System besser nutzbar. RICH löst das Problem an der Wurzel:
Es ändert die Konstruktion des Geldes selbst.
Beide Wege führen in eine gerechtere Richtung – aber nur einer durchbricht den strukturellen Kern von Vermögenspreisinflation, Wachstumszwang und Schuldengeldsystem.
Beide Wege führen in eine gerechtere Richtung – aber nur einer durchbricht den strukturellen Kern von Vermögenspreisinflation, Wachstumszwang und Schuldengeldsystem.
„Der Staat gibt zuerst Geld aus und zieht anschließend
einen Teil davon über Steuern wieder ein."
– Dirk Ehnts, sinngemäß aus: Geld und Kredit: Eine €uropäische Perspektive
– Dirk Ehnts, sinngemäß aus: Geld und Kredit: Eine €uropäische Perspektive
„Geld ist kein Ding, sondern ein gesellschaftliches Vertrauensverhältnis."
– Aaron Sahr, Keystroke-Kapitalismus
– Aaron Sahr, Keystroke-Kapitalismus
„Entscheidend ist nicht die Geldmenge, sondern die wirksame Nachfrage."
– Heiner Flassbeck, sinngemäß
– Heiner Flassbeck, sinngemäß
📚 Weiterführende Ressourcen